Krebskranke und ihr Pastor

Wenn jemand die Diagnose mitgeteilt erhält: „Sie haben Krebs“, ist das nicht so leicht zu bewältigen.

Die meisten Menschen schieben den Gedanken, dass sie selbst Krebs bekommen können, weit weg von sich, obwohl wir ja von Krebskranken förmlich umgeben sind. Und deshalb beginnt die Suche nach einem Ausweg meistens erst nach der Diagnose.

 

Zumeist wird die Gewissheit, diese Krankheit zu haben, auch von Depressionen begleitet. Hier kann jetzt ein Pastor zu einem Freund oder zu einem Niemand werden.

 

Jeder Pastor sollte wissen, was zu tun ist, wenn sich jemand in dieser Angelegenheit an ihn wendet. „Nur“ die Krankensalbung anzubieten ist in diesem Fall zu wenig.

 

Außerdem - die Arbeit des Pastors beginnt eigentlich schon lange bevor jemand in seinem Umfeld eine herausfordernde Diagnose gestellt bekommt. Menschenkenntnis, Lebenserfahrung und Liebe zu Menschen sind gefordert um zu erkennen, dass jemand leidet, da dieses persönliche Leid oft mit der Maske der gespielten Fröhlichkeit kaschiert wird.

 

Ein Krebskranker befindet sich oft eingebunden in einer Familie, die mit ihm mitleidet. Da ist es egal, ob es ein Kind betrifft oder die ältere Generation oder ein Elternteil. Meistens ist für ein Kind gut gesorgt, da die Informationen vom Spital sehr gut sind. Hingegen bei Erwachsenen oder Alten kann es sein, dass manche Familien einfach nicht wissen, wie sie mit ihm umgehen sollen, da für diesen die Information vom Arzt oder Spital oft recht mangelhaft ist – hier meine ich nicht die medizinische Information, sondern die psychische. Oft wird ihm ein Arztbrief in die Hand gedrückt, der für ihn nur verwirrend ist.

 

 

Die Arbeit des Pastors

 

Wendet sich ein Krebskranker oder dessen Familie an den Pastor, weiß dieser bereits (gehen wir davon aus, dass es selbstverständlich ist), was er zu tun hat.

 

  • Er kennt die betreffende Person und ihr Umfeld.

 

  • Er kann einen adventistischen Arzt empfehlen, der einen guten NEWSTART- Hintergrund hat und der weiß, wie er Krebskranke zu begleiten hat.

 

  • Er kennt auch seine Gemeinde und weiß, welche Personen er den Betroffenen vorschlagen kann, die für ihn beten, nachfragen und ihn auch fallweise besuchen.

 

Auf diese Weise kann sich um den Kranken und sein Umfeld ein Support-Team formieren, das eine sinnvolle Brücke zur Gemeinde bildet. Hier soll Trost und Erkenntnis vermittelt werden. Der Kranke und seine Familie werden durch Liebe und sinnvolle Gebete getragen (für Kranke oder Sterbende zu beten erfordert eine besondere christliche Gebetsreife).

 

Wenn eine Gemeinde über so ein erfahrenes Support-Team verfügt, dann sollte dieses Team unbedingt gefördert werden. Kommunikationsseminar, logotherapeutische Grundprinzipien sollten verstanden und angewendet werden können, Seminareinheiten wie man Sterbende begleitet können genau so angeboten werden wie Seminare, wie man mit Hinterbliebenen umgeht. Sinnvolle Bücher, die Trost in dunklen Stunden vermitteln, können empfohlen werden.

 

Voraussetzung dafür, einen adventistischen Krebskranken geistlich sinnvoll begleiten zu können, ist ein korrektes Gottesbild und Gebete, die nicht von Gefühlen gesteuert sind, sondern von einem tiefen Vertrauen in einen liebenden, allmächtigen Gott. Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass Krankheit und Leid niemals von Gott kommen. Und Gott prüft seine Kinder auch nicht damit, dass er sie durch eine schwere Krankheit elend zugrunde gehen lässt. Um Leid und Krankheit einigermaßen verstehen zu können und sich vertrauensvoll an den biblischen Gott der Liebe zu klammern, erfordert ein profundes Verständnis des ersten Buches Mose und des Buches Hiob.

 

Die Genesis informiert uns darüber, dass Gott alles „sehr gut“ geschaffen hat. Gott hat nicht krank geschaffen, sondern gesund, mit der fantastischen Möglichkeit, ewig in einem Paradies zu leben. Die Verführung der Menschen durch den Teufel mündete im Sündenfall. Dieser brachte Leid, Fluch, Krankheit und letztlich den Tod über die Menschheit. Die Antwort Gottes auf dieses Dilemma des Menschen ist das Evangelium von Jesus Christus.

 

Das Buch Hiob hingegen zeigt auf, wer hinter all dem Leid steht. Es ist der Gegenspieler Gottes, ein gefallener Engel. Und er setzt alles daran, es so aussehen zu lassen, als wäre Gott für all das Leid verantwortlich.

 

Christen müssen auch lernen, mit offenen Fragen zu leben. Denn Leid kann viele Gründe haben. Und worunter ein Mensch leidet, muss für einen anderen Menschen durchaus nicht Leid bedeuten.

 

Und warum ließ Gott das Leid bei Hiob zu?

 

Im Gespräch zwischen Gott und dem Teufel erkennen wir unschwer, dass der Teufel die Erde als sein alleiniges Territorium ansah. Hiob zeigt, dass auch auf unserer Erde Gott gegenwärtig ist durch jedes seiner Kinder. Hiob vertraute seinem Gott. Er blieb im tiefsten Leid ein Kind Gottes. Durch sein unbedingtes Vertrauen in Gott ehrte er ihn vor dem gesamten Universum. Das kann auch Sinn von Leid sein.